Interview mit Sebastian Betzin von generic.de

Sebastian Betzin:

Vorstand & CTO, generic.de. Vorstand Software und Digitalisierung, VDMA: Leidenschaftlicher Softwareentwickler, Clean-Code-Fan, macht Innovation & Tech im Unternehmen erlebbar. All in AI

1. Was macht Ihr Unternehmen und wo sieht es seinen USP?

generic.de entwickelt individuelle Softwarelösungen für Unternehmen aus Industrie und Mittelstand – von der ersten Idee bis hin zum Betrieb und Support. Unser USP liegt darin, dass wir das Richtige richtig entwickeln: Wir kombinieren einen hohen Anspruch an Code-Qualität („Clean Code“) mit echten agilen Methoden, sodass unsere Kunden keine Kompromisse eingehen müssen. Bei uns geht es nicht darum, Anforderungen einfach nur abzuarbeiten – wir sorgen dafür, dass die Software wirklich zum Business Case, zu den Nutzern und auf die richtige Technologie setzt. Unser Team aus hochmotivierten Experten bringt jahrelange Erfahrung, echte Begeisterung für Technologie und den Mut mit, auch mal gegen den Strom zu schwimmen, wenn es für das Projektergebnis sinnvoll ist. Das Ergebnis: Software, die nicht nur funktioniert, sondern Mehrwert schafft und auch in fünf Jahren noch Spaß macht.

2. Wie wichtig ist die IT für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens?

Ohne IT gäbe es uns in dieser Form gar nicht. IT ist für uns nicht einfach nur ein Werkzeug, sondern der zentrale Treiber für unsere gesamte Unternehmensentwicklung. Praktisch jede Innovation, jeder neue Service und jedes Geschäftsmodell, das wir anstoßen, ist IT-getrieben oder sogar komplett IT-basiert. Ich sehe IT nicht als Kostenfaktor, sondern als Wertschöpfungsfaktor und Innovationsmotor. Gerade im Umfeld von individueller Softwareentwicklung sind Technologie- und Methodenkompetenz der Schlüssel, um wettbewerbsfähig und relevant zu bleiben. Das gilt nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden – und genau deshalb legen wir so viel Wert auf einen hohen technologischen Standard, kontinuierliche Weiterbildung und den Mut, Neues auszuprobieren. Wer in unserer Branche IT als Randthema betrachtet, der wird über kurz oder lang einfach abgehängt.

3. Welchen Stellenwert nehmen radikal neue (IT-gestützte) Produktideen gegenüber der Verbesserung bestehender Produkte ein?

Beides ist für uns essentiell. Wir sehen unsere Dienstleistung als Produkt, das wir ständig weiterentwickeln – inkrementell, aber auch mit radikal neuen Ideen. Aktuell integrieren wir beispielsweise AI-Tools direkt in unsere Entwicklungsprozesse, um effizienter und innovativer zu werden. Neue Technologien bringen uns voran, aber genauso wichtig ist die konsequente Optimierung des Bestehenden. Nur so bleiben wir wettbewerbsfähig.

4. Binden Sie bereits Hochschulen in die Weiterentwicklung ein und nutzen aktiv deren Kompetenzen inkl. der Möglichkeit der öffentlichen Förderung? 

Ehrlich gesagt: leider viel zu wenig. Wir schätzen das Know-how und die Innovationskraft von Hochschulen sehr und würden gerne noch viel mehr gemeinsam machen – sowohl in der Forschung als auch bei geförderten Projekten. Im Tagesgeschäft bleibt das aber oft auf der Strecke, was eigentlich schade ist. Ich bin überzeugt, dass da noch enormes Potenzial für beide Seiten liegt, und nehme mir fest vor, das künftig aktiver anzugehen.

5. Welche Zukunftsthemen sind für Ihr Unternehmen besonders wichtig und sollten verstärkt an den Hochschulen bearbeitet werden?

Was mir oft fehlt, ist das Thema professionelle Softwareentwicklung als Ganzes. Gerade an Hochschulen wird das Zusammenspiel aus Requirements Engineering, UX und agilen Methoden oft zu kurz abgehandelt. Clean Code – also wirklich nachhaltige, verständliche Softwareentwicklung – spielt im Lehrplan meist kaum eine Rolle. Ich würde mir wünschen, dass diese Grundlagen deutlich stärker in den Fokus rücken, denn sie sind das Fundament für alles Weitere. Gerade jetzt, wo AI immer mehr Einzug hält, ist es umso wichtiger, dass Entwickler:innen die Verantwortung für sauberen, verständlichen Code behalten und sich nicht blind auf automatisierte Tools verlassen. Die Code-Ownership muss beim Menschen bleiben – nur dann entstehen wirklich nachhaltige Lösungen.

6. Für welche technischen Fragestellungen möchten Sie die besten Experten und Talente zu Ihrem Unternehmen lenken und mit welchen Argumenten können Sie sie überzeugen?

Wir suchen Talente, die Spaß daran haben, komplexe Softwarelösungen wirklich von A bis Z mitzugestalten – von der Architektur bis zum letzten Test. Besonders gefragt sind Experten, die sich mit moderner Cloud-Entwicklung, KI-Integration, Clean Code und agilen Methoden auskennen. Bei uns bekommt man die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und wirklich etwas zu bewegen – nicht nur an einem kleinen Rädchen zu drehen. Was uns auszeichnet? Wir leben Clean Code und echte Agilität, setzen auf kontinuierliches Lernen und bieten den Freiraum, neue Ideen auszuprobieren und Innovation voranzutreiben. Wer Lust hat, das Richtige richtig zu entwickeln, ist bei uns genau richtig.

7. Was erhoffen Sie sich von der Politik, um noch mehr Innovation in Deutschland schaffen zu können?

Ich wünsche mir von der Politik vor allem mehr Mut, Bürokratie abzubauen und Experimentierräume zu schaffen. Gerade innovative Unternehmen brauchen Geschwindigkeit und Flexibilität, keine endlosen Genehmigungsprozesse und Förderanträge, die schon beim Ausfüllen abschrecken. Es wäre hilfreich, wenn der Zugang zu öffentlichen Fördergeldern einfacher und weniger formalistisch wäre – und Hochschul-Kooperationen noch stärker gefördert würden. Außerdem braucht es eine echte Digitalisierungsstrategie für Schulen und Hochschulen, damit wir künftig nicht über Fachkräftemangel, sondern über Exzellenz sprechen. Deutschland hat viele kluge Köpfe – es wäre schade, wenn die an Formularen und Verwaltung scheitern.

8. Die politische Situation erfordert eine Stärkung der deutschen bzw. europäischen Innovation. Mit welchen Maßnahmen können wir die Kooperation verbessern und die eigenen Produkte und Fähigkeiten im internationalen Vergleich besser aufstellen?

Es braucht mehr Mut zum offenen Austausch zwischen Unternehmen, anstatt dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Weniger Angst davor, Wissen oder Daten zu verlieren – mehr Vertrauen, dass wir gemeinsam weiterkommen. Nur wenn wir Erfahrungen, Daten und Ideen teilen, können wir wirklich Innovation beschleunigen und im internationalen Vergleich vorne mitspielen.